Bürgermeister Oliver Theiß bezeichnete die Festhalle im Rahmen der Ratssitzung am 30. Juni 2025 als „liebgewonnenes Spielzeug“ und spielte darauf an, dass die Halle aufgrund ihres Zustandes derzeit keinen Wert für die Stadt Stadthagen darstellt. Als Mehrheitsgruppe im Rat hat uns diese Sichtweise erschrocken und enttäuscht. Seit der Schließung der Festhalle im Jahr 2021 haben wir immer klar gemacht, dass die Festhalle für uns eine wichtige Einrichtung in Stadthagen ist, an der wir unbedingt festhalten wollen.

„Die Festhalle ist ein relevantes Thema für die gesamte Stadt. Sie liegt in fußläufiger Entfernung zur Fußgängerzone in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt und ist damit ein wertvolles Werkzeug für die Stadtentwicklung. Rein fiskalische Argumente greifen deshalb zu kurz.“
Rolf Rösemeier-Tietjen, Mehrheitsgruppe SPD/Grüne

Aus unsere Sicht muss die Stadt selbst Einfluss auf den Festplatz und die Festhalle behalten. Eine vollständige Veräußerung in private Hände sehen wir deshalb kritisch.

Das aktuelle Konzept eines Investors sieht eine Veranstaltungshalle mit mindestens 60 Veranstaltungen im Jahr zu mindestens 1.200 Personen (der Investor rechnet mit bis zu 2.000 Personen) vor. Wir haben Sorge, dass dies mit einem Lärmschutz der Anwohner schwer vereinbar ist. Auch ob die Anzahl der angestrebten Veranstaltungen und die angestrebten Besucherzahlen realistisch sind, sehen wir darüber hinaus skeptisch.

Es verwundert uns, dass eine Festhalle mit über 60 Veranstaltungen im Jahr genehmigungsfähig ist, hat die Stadtverwaltung in der bisherigen Debatte doch immer darauf verwiesen, dass eine Entwicklung am derzeitigen Standort kaum möglich ist, da die Anzahl der Abendveranstaltungen den Status Quo vor der Schließung nicht überschreiten dürfte.

Die Frage nach Genehmigungen und Auflagen (insbesondere im Hinblick auf Emissionen sowie An- und Abreisverkehr) wird nach Auskunft der Stadtverwaltung erst abschließend geklärt, wenn ein Bauantrag gestellt wird. Darin sehen wir ein Risiko, denn ein Bauantrag würde erst gestellt werden, wenn eine Veräußerung abgeschlossen wäre. Es bestünde die Gefahr, dass ein geplantes Konzept für das sich ein Investor entschieden hat, aufgrund von Komplikationen in der Genehmigung nicht umsetzbar ist.

Wir stellen uns nicht grundsätzlich gegen eine privatwirtschaftliche Lösung. Allerdings sehen wir die Beteiligung von privaten Investoren eher in Form eines Pachtvertrages, als Teil einer Betreibergesellschaft oder in einem Betreiberkonsortium wie z.B. (Wirtschaftsbetriebe, Tageszeitung als Werbepartner und Pächter). Durch einen Verkauf würde die Stadt ein zentrales Grundstück in der Stadt und dadurch Einflussmöglichkeiten in der Stadtentwicklung verlieren.

Grundsätzlich müssen wir festhalten, dass die aktuelle Debatte um einen Verkauf nach aktueller Beschlusslage im Rat der Stadt Stadthagen verwundernswert ist: Bereits im Dezember 2024 hat der Rat der Stadt Stadthagen über die Sanierung und Wiederinbetriebnahme der Festhalle formal beschlossen. In der Vorlage 465/2021-2026 heißt es:

„Die Wirtschaftsbetriebe Stadthagen GmbH (WBS) wird beauftragt, zur Wiederinbetriebnahme der Festhalle die in der Kostenschätzung vom 12.07.2024 in der Spalte „Reparaturstau und Sicherheit“ genannten Maßnahmen zzgl. Farbanstrich und Tontechnik durchzuführen. Die Vertreter der Stadt Stadthagen in der Gesellschafterversammlung der WBS werden beauftragt und angewiesen, die Durchführung dieser Maßnahmen im Wirtschaftsplan 2025 der WBS vorzusehen.
Weiterhin werden die WBS beauftragt, einen Betreiber für die Festhalle zu suchen, dessen Betriebskonzept, ggfls. unter Berücksichtigung weiterer Sanierungs/Modernisierungs-maßnahmen, zu einer Verbesserung des Betriebsergebnis für die Festhalle im Vergleich zum Eigenbetrieb führt.“
Ratsbeschluss Vorlage 465/2021-2026

Diese Formulierung wurde im Rat der Stadt Stadthagen fraktionsübergreifend mit 26 Ja-Stimmen, also der breiten Mehrheit, beschlossen. Seitdem stellen wir als Mehrheitsgruppe allerdings keinerlei Bestreben der Verwaltung fest, den Beschluss der Politik umzusetzen. Stattdessen werden Vorverhandlungen mit Investoren über eine Veräußerung geführt, die so politisch weder beraten, noch beschlossen worden sind!

Wir sehen die Festhalle nicht nur als Eventhalle, sondern als Stadthalle für die Stadthägerinnen und Stadthäger und ganz Schaumburg. Die Nutzungsmöglichkeiten sollten breit aufgestellt sein und in erster Linie der Stadtkultur und der Region dienen, statt primär auf externe Besucher aus einem Umkreis von über 100km ausgelegt zu sein. Als SPD/Grünen-Gruppe können wir uns in unserer Festhalle neben größeren Veranstaltungen auch private Feiern, Messen/Tagungen/Seminare/Jahreshauptversammlungen von Vereinen und regionalen Organisationen, Veranstaltungen der Stadtgesellschaft, Formate für Kinder und Jugendliche und Veranstaltungsort für Schulfeiern unserer Stadthäger Schulen vorstellen. Auch als Reserve für Sonderlagen wie während der Corona-Pandemie soll die Festhalle vorgehalten werden. Ein solches Nutzungsprofil wäre unserer Auffassung auch mit einem angemessenen Lärmschutz insbesondere für die angrenzende Enzer Straße vereinbar. Dafür wollen wir in die Festhalle investieren und sie für 15 Jahre betriebsbereit halten.

„Wir wollen die Festhalle weiterentwickeln und wieder in Betrieb nehmen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass die Festhalle ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsfürsorge bleibt und die Stadt bei Katastrophen und Sonderlagen direkten Einfluss auf Gebäude und Grundstück hat. Die Festhalle soll eine Einrichtung für kulturelle Vielfalt und Identität in Stadthagen sein. Dafür sind wir bereit zu investieren.“
Ulrike Koller, Ratsvorsitzende

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